Dieser Leserbrief wurde im Südkurier am 07.12.2004 veröffentlicht. Daran sieht man, wie lange schon die Villinger Fasnet mit Problemen zu kämpfen hat... Da ich keine Rücksprache mit dem Verfasser halten konnte, lasse ich den Namen weg. Also Datenschutzkonform! :-)
Tradition statt Sauftour
Zur Diskussion um die Sperrzeiten über die Fasnetstage:
Seit mehr als zwei Jahrzehnten bin ich „fasnetsverruckt" und wundere mich sehr über die derzeitige Diskussion: Man tut ja grade so, als habe es vor der Einführung der Freinächte vor wenigen Jahren keine Villinger Fasnet gegeben!? Nach meiner Beobachtung jedoch hat die traditionelle Fasnet seither eher gelitten. Bis etwa Mitte der Neunziger war es üblich, dass die Vorfreude sich gemächlich steigerte, bis dann der lang ersehnte Mändigmorge da war: Mit dem Wecken durch die Glonkis, dem Einzug der Katzen in die Stadt und dem gar nicht so heimlichen Höhepunkt, wenn endlich, endlich der stolze Narro die Niedere Straße heraufspringt und das wohlige Gänsehautgefühl auslöst, das den Rollenklang als schönstes Geräusch der Welt erscheinen lässt, ging die Fasnet doch erst richtig los! Und natürlich feierte man dann ungehemmt freudig und begeistert durch, bis zum gefühlsmäßig immer viel zu frühen Strohverbrennen. Dazu gehörte aber auch, am Sonntag früh zu Bett zu gehen: Wen will man denn auch wecken, wenn alle noch in den Kneipen sitzen?! Inzwischen jedoch ist bis Dienstag die Luft schon fast raus. Nach nächtelangem Durchfeiern (und allzu oft pausenlosem Durchsaufen) ist der Dienstagabend nämlich längst nicht mehr das melancholische „Aufhören wenn's am Schönsten ist", sondern oft nur noch ein müdes: "Jetzt ist es aber auch genug". Wer zum Beispiel im vergangenen Jahr am Dienstagabend die traditionellen Fasnachtsgaststätten aufsuchte, weiß wovon ich rede. Darum freue ich mich eigentlich drauf, wenn durch an die "Tradition angepasste Sperrzeit die Fasnet wieder das würde, was sie doch ein halbes Jahrtausend lang war: Die hohe Zeit der Narren, der kurze, heftige, emotional bewegende und ganz besondere Höhepunkt des Villinger Jahres - anstatt einer Sechs-Tage-Sauftour in der Färberstraße!
Kommentare powered by CComment